(Foto: Dominik Ketz)

RAINER BRÜNINGHAUS (D): PIANO CONCERT

Samstag, 7. September 2013, 20.00 Uhr

Eintritt: Fr. 35.– (Ermässigung für Schüler und Studenten)

 
In Deutschland kristallisierte sich in den 1970er Jahren mit Brüninghaus/Dauner/Kühn ein Triumvirat hervorragender Jazz-Pianisten heraus, die diesen Musikbereich mit ihrem musikalischen Schaffen geprägt haben. Zu diesen drei führenden deutschen Jazz-Pianisten, die auch international aktiv waren, gehörte also auch Rainer Brüninghaus - so wertete es damals nicht nur „Jazz-Papst“ Joachim Ernst Behrendt.

Rainer Brüninghaus ist ein Meister der Improvisation, und die entwickelt er auf der Grundlage von ausnotierten Kompositionen und thematischen Grundgerüsten. Nichts ist willkürlich, nichts ist bloßer Effekt. Die Entwicklung von faszinierenden Themen und Improvisationsläufen kennzeichnet sein elegisches Spiel, das geprägt ist von großen Gesten und schnellen Läufen.

Nach vorwiegend eigenen Projekten und CD-Veröffentlichungen für das renommierte Platten-Label ECM in den 1980er Jahren, für die Brüninghaus unter anderem mit dem Jazz-Preis des Südwestfunks und dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurde, begann er die Zusammenarbeit mit Jan Garbarek. Mit dieser Gruppe begeistert er bis heute weltweit das Konzertpublikum, ob im Opernhaus von Sydney oder in der Kölner Philharmonie.

Ein Solo-Konzert von Rainer Brüninghaus ist ein besonderes und ein seltenes Ereignis. In Allschwil bei Basel kann man dies nun erleben: Rainer Brüninghaus solo, ein Mann, ein Konzertflügel - und begnadete moderne Musik.


BIOGRAFIE
Rainer Brüninghaus (* 21. November 1949 in Bad Pyrmont) ist deutscher Jazzpianist und Komponist.

Brüninghaus hat die deutsche Jazzszene über mehrere Jahrzehnte in vielfältiger Weise geprägt und gilt als ein herausragender Vertreter des europäischen Jazz. Das Rororo-Jazzlexikon wertet ihn schon Ende der 70er Jahre als einen der drei führenden deutschen Jazz-Pianisten. Seit den frühen 80er Jahren ist Brüninghaus dann mehr und mehr über Deutschlands Grenzen hinaus präsent und erreicht auch internationale Anerkennung. Für das amerikanische Jazz-Magazin Down Beat ist er ein „Akrobat der rechten Hand“. Bis heute ist sein von der Klassik geprägtes Jazz-Klavierspiel sowohl im kleineren kammermusikalischen Rahmen als auch immer wieder in großen, repräsentativen Konzerthäusern zu hören.

„Brüninghaus bevorzugt weiche Akkordschichtungen und weit geschwungene melodische Bögen, ohne dabei den rhythmischen Fluss zu ernachlässigen“ (RoRoRo-Jazzlexikon). Dabei lässt er die Motorik des Jazz immer wieder aufleuchten. „Im Jazz ist Brüninghaus der phantasievollste Vertreter der Minimal Art“ (Jazz-Kritiker Ulrich Olshausen in der FAZ); Brüninghaus’ Improvisationen und Kompositionen benutzen repetitive minimalistische Muster manchmal als Ausgangspunkt und Grundstruktur, gehen jedoch stets weit darüber hinaus. Er sucht nach leuchtenden Klängen, sowohl auf seinem Hauptinstrument, dem Konzertflügel, als auch auf elektronischen Klangerzeugern, die er zeitweise einsetzte. Inspiration schöpft er aus den Klangidealen seiner klassischen Klavierausbildung.

Preise:
Brüninghaus wurde mit dem Jazzpreis des Südwestfunks ausgezeichnet und erhielt den Preis der Deutschen Schallplattenkritik für seine ECM-Einspielung „Continuum“.

Werdegang:
Rainer Brüninghaus spielte seit dem 4.Lebensjahr frei und ohne Anleitung auf dem Klavier. Seit dem 9.Lebensjahr wurde er dann klassisch ausgebildet und spielte 10-jährig Mozart-Sonaten, mit 14 Jazz und formierte 16-jährig sein erstes modernes Jazz-Trio. 1968 bis 1972 studierte er an der Kölner Universität Soziologie, 1971 bis 1975 Musik.
Während der Studienzeit gründete er die experimentelle Jazz-Rock-Gruppe Eiliff, mit der er zwei LPs und eine Single aufnahm.
1973 bis 1975 war er festes Mitglied in Volker Kriegels Jazz-Rock-Gruppe „Spectrum“. Ab 1973 war er außerdem (bis 1985) häufiger Gast beim Jazzensemble des Hessischen Rundfunks (mit Albert Mangelsdorff u.a.).
1975 begann eine intensive siebenjährige Zusammenarbeit mit Eberhard Weber in dessen Gruppe Colours. Ab 1979 spielte er auch mit Manfred Schoof im Duo und in dessen Quintett.
1976 war Brüninghaus beim internationalen Festival der European Broadcasting Union der deutsche Abgesandte. Dort spielte er unter anderem ein unbegleitetes Solo-Stück auf dem Konzertflügel. Diese Idee baute er in der Folgezeit zu einem Konzertprogramm aus, das er im selben Jahr mit großem Erfolg bei den Heidelberger Jazztagen uraufführte. Dieser Erfolg war der Beginn seiner Flügel-Solo

Performances:
1980 erschien sein Album „Freigeweht“ bei ECM, für das er die Musiker Kenny Wheeler, Brynjar Hoff und Jon Christensen als Mitspieler gewinnen konnte. Der Erfolg dieser Platte machte Brüninghaus auch als Komponisten bekannt.
Kompositionsaufträge für größere und kleinere Ensembles folgten, einige davon für Sinfonieorchester, (z.B. Siegerland-Orchester, Junge Deutsch-Französische Philharmonie, Radio Bremen u.a.), einige für Blasorchester und viele für die Bigbands des WDR, NDR, HR u.a., mit denen Brüninghaus auch häufig als Gastsolist spielte. Für eine Fernsehkonzert-Produktion des NDR schrieb er eine 90-minütige Komposition, „Rhein-Requiem“ (Uraufführung mit Lauren Newton, Paul McCandless, Trilok Gurtu, Klaus Bantzer), in die er Kompositionstechniken der Neuen Musik einfließen ließ.
1981 gründete Brüninghaus wieder ein eigenes Trio, in dem bis Ende 1984 Markus Stockhausen und Fredy Studer spielten; 1985 holte er dann John Abercrombie und Trilok Gurtu in die Band. Außerdem gehörten Charlie Mariano, Hugo Read und Jo Thönes jeweils für kurze Zeit zu Brüninghaus’ Ensembles. Brüninghaus’ Gruppen spielten in ganz Europa. Als Botschafter des deutschen Jazz ging er mit seinen Gruppen für das Goethe-Institut und das Auswärtige Amt außerdem auf lange Tourneen durch fast alle Länder Südamerikas und Mittelamerikas, nach Australien/ Neuseeland und Nahost.
1988 begann dann die bis heute andauernde erfolgreiche Zusammenarbeit mit Jan Garbarek in der Jan-Garbarek-Group, - mit Konzerten weltweit sowie mehreren Platteneinspielungen bei ECM.

Die Liste von Musikern, mit denen Brüninghaus zusammenarbeitete, umfasst Namen wie:
George Adams, John Abercrombie, Carla Bley, Mari Boine, Jack Bruce, Agnes Buen Garnas, Bob Brookmeyer, Gary Burton, Jon Christensen, Billy Cobham, Bobby McFerrin, Jan Garbarek, Danny Gottlieb, Trilok Gurtu, Jim Hall, Ralf Hübner, Manu Katché, Karin Krog, Albert Mangelsdorff, Charlie Mariano, John Marshall, Lauren Newton, Nippi Noya, Paul McCandless, Palle Mikkelborg, Alphonse Mouzon, Lauren Newton, Toots Thielemanns, Heinz Sauer, Manfred Schoof, Archie Shepp, Thomas Stanko, Steve Swallow, Eberhard Weber, Reto Weber, Heiner Wiberny, Kenny Wheeler u.a.

Brüninghaus unterrichtete von 1984 bis 1992 als Dozent für Klavier an der Musikhochschule Köln. Aus seiner didaktischen Tätigkeit gingen ungezählte musiktheoretische Artikel für verschiedene Musikzeitschriften wie Carsten Dürers „Piano-News“ und „Piano-Forte“, sowie „Keyboards“ und andere hervor. Neben seinen vielen Kompositionen für große und kleine Ensembles schrieb Brüninghaus auch Musiken zu teils preisgekrönten Filmen und Fernsehserien. Brüninghaus ist ausserdem im Künstlerischen Beirat der Union Deutscher Jazzmusiker und war als Jury-Mitglied bei Jugend-Musikwettbewerben tätig.


AUSGEWÄHLTE DISKOGRAFIE

Releases:
"Freigeweht" (ECM 1187) (mit Kenny Wheeler, Jon Christensen u.a.)
"Continuum" (ECM 1266)- "Preis der Deutschen Schallplattenkritik"
"Shadows and Smiles"(Wergo) mit Jan Garbarek:
"Legend of the seven dreams" (ECM 1381)
"I took up the runes" (ECM 1419)
"Twelve Moons" (ECM 1500 - die 500. ECM-Platte)
„Visible World“ (ECM)
„Rites“ (ECM)
„Selected Recordings“ (ECM)
„Dresden“(ECM)

mit Eberhard Weber:
"The Colours of Chloe" (ECM 1042) (Großer Deutscher Schallplattenpreis)
"Yellow Fields" (ECM 1066)
"The following morning" (ECM 1084)
"Silent Feet" (ECM 1107)
"Little Movements" (ECM 1186)
"Pop-Jazz International" AMIGA-855474
"1.New Jazz Festival Hamburg" (Polydor 2371618)
„Endless Days“ (ECM)
„Selected Recordings“ (ECM)
„Stages of a Long Journey“ (ECM)

mit Bob Brookmeyer, John Abercrombie, WDR-Bigband:
„Electricity“ (Act 9219-2)

mit Carla Bley, Jack Bruce, Steve Swallow:
„For Under the Volcano“
auf „Lyrics, Texte und Musik Live“ (Comus-Records)

mit Volker Kriegel u.a. :
"Mild Maniac" (MPS 15403)
"Topical Harvest" (MPS 15471)
"Heidelberger Jazztage" (MPS 2121913-5)